Kirchengemeinde St. Michaelis in Hildesheim

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Was haben wir von der Reformation?

5 aktuelle Vorträge

September bis November 2017


5 Vorträge beleuchten die Frage, wozu wir eigentlich das Reformationsjubiläum feiern, welche Impulse aus der Reformation heute die Kirche weiterbringen können, was an ihr auch heute noch zukunftsträchtig ist - im Blick auf Gesellschaft, Sprache, Spiritualität, Bibel und Theologie allgemein.

Beginn jeweils um 19.30 Uhr in der Michaeliskirche Hildesheim. Eintritt frei.
Im Anschluss gibt es ein Catering in der Kirche mit der Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen - auch mit den Referenten.


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Thema soziale Verantwortung
Die Reformation war kein binnenkirchliches Ereignis. Sie hat die gesamte Gesellschaft auf der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit betroffen und entscheidenden Einfluss in den Bereichen der Lebensführung und der Weltgestaltung gehabt. Wie sieht es damit heute aus? Welches Gewicht kommt dem Protestantismus in den aktuellen gesellschaftlichen Diskursen zu? Oder sollte sich die evangelische Kirche in diesen Diskursen sowieso eher zurückhalten?

„Der vergessene Luther - Was hat uns seine Kritik des Frühkapitalismus heute zu sagen?“

Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Heidelberg, Donnerstag, 21. September 2017

Ulrich Duchrow, Jg. 1935 ist Sozialethiker und steht der Befreiungstheologie nahe. Er zählt in Deutschland zu den renommiertesten Kritikern des globalen Kapitalismus. Das Zentrum seiner Arbeit bildet die Frage, wie die Kirche auf die wirtschaftliche Globalisierung nach neoliberalem Modell antworten kann. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac. Er ist Mitverfasser der 2014 veröffentlichten 94 Thesen „Die Reformation radikalisieren - provoziert von Bibel und Krise“.

 

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Thema Bibel
„Sola scriptura“ - Luthers Grundsatz, „allein die Schrift“, allein die Bibel als Quelle kirchlicher Praxis gelten zu lassen, verbunden mit seiner Übersetzungsleistung, die die deutsche Sprache prägte. Welche Bedeutung kann dieser Grundsatz noch haben nach mehreren Generationen historisch-kritischer Exegese, die das Bewusstsein für die Mehrstimmigkeit des Kanons geschärft hat? Gibt es eine „Mitte der Schrift“, wenn wir wirklich den hebräischen und griechischen Kanon in den Blick nehmen? Welche Rolle spielt dabei insbesondere das Alte Testament? Der Entwurf der Neuordnung der Predigtreihen weist ja in die Richtung einer ausgeweiteten Wahrnehmung des Kanons. Welche Konsequenzen sind insbesondere für die Verkündigung zu ziehen? Erreicht eine „allein auf der Schrift“ begründete Kirche überhaupt noch Zeitgenossen außerhalb eines engen Binnenraumes? Taugt Luthers Grundsatz für die Probleme des 21. Jahrhunderts?

„Schriftprinzip in der Krise? Luthers Grundsatz ‚allein durch die Schrift‘ heute“

Prof. Dr. Jürgen Ebach, Bochum, Montag, 25. September 2017

Jürgen Ebach, Jg. 1945 ist ein deutscher Alttestamentler und war bis Februar 2010 Inhaber des Lehrstuhls für Exegese und Theologie des Alten Testaments und biblische Hermeneutik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Studium der Theologie und Keilschriftwissenschaften in Hamburg, Mitarbeit bei Ausgrabungen im Libanon. 1988 erhielt er den Sexauer Gemeindepreis für Theologie, der seit 1981 an akademisch lehrende Theologen und Theologinnenen verliehen wird, die sich durch besondere Gemeindenähe auszeichnen. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, sowie der exegetischen Arbeitsgruppe und des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Mitherausgeber der Bibel in gerechter Sprache. Jürgen Ebach legt in seiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Bibel größten Wert darauf, dass der biblische Text in all seinen Nuancen und Widersprüchen zu Wort kommt.

 

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Thema Spiritualität
Dass es im Leben mehr geben muss, als ein alltägliches Einerlei und die Befriedigung materieller Bedürfnisse, spüren viele Menschen auch in einem säkularen Umfeld. In Sache Spiritualität haben aber viele längst den institutionalisierten Kirchen den Rücken zugewendet und Suchen nach spirituellen Wegen in fernöstlichen Traditionen. Dabei begleitet die Kirchengeschichte ein breiter, oft wilder Strom tiefer Spiritualität. Der katholische Theologe Karl Rahner hat bereits 1980 geschrieben: „Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein. Einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ 37 Jahre danach - ist das vielleicht schon die Zukunft? Gilt das Diktum Rahners auch für protestantische Christen? Wie sähe das aus?

„Mystik und Glaube bei Luther. Ist Mystik evangelisch?“

Prof. Dr. Peter Zimmerling, Leipzig, Montag, 23. Oktober 2017

Peter Zimmerling, Jg. 1958 ist Inhaber einer außerplanmäßigen Professur der Praktischen Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig, 1. Universitätsprediger und Domherr zu Meißen. Seine Schwerpunkte sind Predigtlehre, Seelsorge - hier besonders die Wiederentdeckung und Aufwertung der Beichte -, Evangelische Spiritualität und Christliche Mystik. Zudem hat er über Martin Luther als Praktischer Theologe, den Pietismus-, Dietrich Bonhoeffer, die charismatische Bewegung und fromme Pionierinnen geforscht und publiziert. Studium in Tübingen und Erlangen, Promotion bei Jürgen Moltmann. Mitglied im Vorstand der Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik e.V. Wegweisende Publikation: „Evangelische Mystik“, 2015

 

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Thema Sprache
Wir tragen gerne Luthers Sprachmächtigkeit vor uns her. Wie „sprachmächtig“ sind wir heute und wie würde das überhaupt aussehen? Schauen wir noch „dem Volk aufs Maul“, sind also im Gespräch mit den relevanten gesellschaftlichen Themen und ganz persönlichen Problemen und Bedürfnissen der Menschen? Was kann in diesem Zusammenhang „reformatorische Predigt“ bedeuten?

„Verlockung zum Leben. Reformatorische Predigt als Predigt der Freiheit“

Prof. Dr. Albrecht Grözinger, Basel, Montag, 6. November 2017

Albrecht Grözinger, Jg. 1949, Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen und Mainz. Vikarszeit in Stuttgart und Kirchheim-Ötlingen. 1978 Promotion zum Dr. theol. Repetent am Tübinger Stift. Assistententätigkeit an der Universität Mainz. 1986 Habilitation für das Fach Praktische Theologie („Praktische Theologie und Ästhetik“). Lehrtätigkeit an den Universitäten Mainz, Heidelberg, Freiburg i. Br. und Basel, dort emeritiert. Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Von 1993 bis 1997 Professor für Praktische Theologie (Lehrstuhl) an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Mitglied des Vorstands der Internationalen Societas Homiletica. Mitglied im Herausgeberkreis der Zeitschrift „Praktische Theologie“.

 

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Thema Kirchengeschichte:
Jedes Jahrhundert hatte das Luther-Jubiläum, das es verdiente. Der jeweilige Zeitgeist prägte die Wahrnehmung Luthers und der Reformation. So war das Reformationsjubiläum 1917 ein willkommenes Mittel zur Festigung des Durchhaltewillens im 4. Kriegsjahr und zum 500. Geburtstag Martin Luthers wurden in der DDR durch die SED hauptsächlich seine politische Wirkung betont und damit eigene Imagepflege betrieben. 2017 nun gibt es drei „Nationale Sonderausstellungen“ mit dem martialischen Titel „3x Hammer“. Welches Luther-Jubiläum haben wir gefeiert in Kirche und Gesellschaft? Ein erster Rückblick am Ende von Lutherdekade und Jubiläumsjahr 2017.

„Das war’s! Lutherdekade und Jubiläumsjahr 2017: Ein erster Rückblick“

Prof. Dr. Dr. Hartmut Lehmann, Montag, 20. November 2017

Hartmut Lehmann, Jg. 1936 ist Historiker. Studium der Geschichte, Anglistik, Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Wien und Bristol. Gastprofessur an der University of California, Los Angeles und Forschungsaufenthalt an der University of Chicago, 1969 auf einen Lehrstuhl an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berufen. Weitere Gastprofessuren und Forschungsaufenthalten in Canberra, Princeton und Harvard. 1987 Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Instituts in Washington D.C. 1999 Ehrendoktorwürde der Universität Basel. Lehmann beschäftigt sich mit weitgespannten historischen Themen, neben der frühen Neuzeit auch der Zeitgeschichte, insbesondere unter transnationalen Aspekten. 2012 erschienen „Das Christentum im 20. Jahrhundert. Fragen, Probleme, Perspektiven“ und die Monografie „Luthergedächtnis 1817 bis 2017“ über die Instrumentalisierung des Luthergedächtnisses für bestimmte politische, kirchliche und kulturelle Zwecke.

 

Die Termine im Überblick:

Donnerstag, 21.9.2017
Ulrich Duchrow
„Der vergessene Luther - Was hat uns seine Kritik des Frühkapitalismus heute zu sagen?“

Montag, 25.09.2017
Jürgen Ebach
„Schriftprinzip in der Krise? Luthers Grundsatz ‚allein durch die Schrift‘ heute“

Montag, 23.10.2017
Peter Zimmerling
„Mystik und Glaube bei Luther. Ist Mystik evangelisch?“

Montag, 06.11.2017
Albrecht Grözinger
„Verlockung zum Leben. Reformatorische Predigt als Predigt der Freiheit“

Montag, 20.11.2017
Hartmut Lehmann
„Das war’s! Lutherdekade und Jubiläumsjahr 2017: Ein erster Rückblick“

 Beginn jeweils 19.30 Uhr in der Michaeliskirche